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Tradition trifft Moderne: Bevor die alten Segler am Sonnabend in den Museumshafen einliefen, kreuzte die Flotte vor dem Hörn-Campus. Fotos bjö Es war ein bisschen diesig auf der Förde, und vielleicht wirkte die Szene auch deshalb umso unwirklicher. Vor dem Hörn-Campus, diesem Bau, der kaum moderner sein könnte, kreuzte eine ganze Flotte Traditionssegler. Uralte Schiffe mit hölzernen Planken und typischen Gaffelsegeln. Als sie am Sonnabend dann nacheinander in das Becken des Germaniahafens einliefen, da war das vor allem für den Verein "Museumshafen Kiel" ein besonderer Moment: Seitdem nämlich hat die Flotte der Kieler Traditionssegler einen festen Liegeplatz.
Die Eröffnung des "Museumshafens", in dem fortan die elf, teilweise über hundert Jahre alte Schiffe liegen, feierte der Verein am Sonnabend mit einem "Tag der offenen Luke". Und präsentierte dabei nicht nur die einzelnen Schiffe und maritime Kultur: "Wir wollen zeigen, dass wir mehr machen als nur segeln", sagte Vereinsvorsitzender Klaus Hetmanek. Fortan, so das Ziel der rund 30 Mitglieder, sollen alle Kieler, die sich für traditionelle Segler interessieren, an der Hörn einen festen Anlaufpunkt haben. Hier, im neuen Museumshafen, können die Schiffe besichtigt, hier können Begleitfahrten während der Kieler Woche oder andere Törns verabredet werden. "Wir bringen ein Stück Küstenkultur nach Gaarden", verspricht Hetmanek.
Dazu gehört auch, die Geschichten der einzelnen Boote erlebbar zu machen. Und so konnten sich die Besucher am Wochenende nicht nur auf und unter Deck tummeln, sondern sich von den Besatzungen auch in die oft bewegte Historie der Segler einweihen lassen: Ältestes Schiff im Hafen ist die "Sampo", die nun quasi wieder zu ihrem Ursprung zurückgekehrt ist. 1896 wurde die Gaffelketsch von den Gebrüdern Ihms in deren Gaardener Werft gebaut und fuhr bis 1918 als Zollkreuzer auf der Ostsee. Danach kaufte der Kohlenhändler Gustav Krüger das gut 15 Meter lange Schiff und transportierte Briketts von Rendsburg nach Kiel. Allerdings nicht lange: 1923 soff die nach seiner Frau benannte "Adele Krüger" nach einer Kollision im Kaiser-Wilhelm-Kanal ab - Krüger und ein Kanallotse kamen dabei ums Leben. Nach der Instandsetzung wurde das Schiff nach Dänemark verkauft, und seit 1994 schließlich fährt die "Sampo" wieder unter deutscher Flagge. Der Zweimaster, der heute einer Eignergemeinschaft gehört, ist der letzte noch schwimmende, intakte Arbeitssegler, der an den Bootsbauplätzen rund um die Hörn gebaut wurde.
Doch nicht nur Schiffe von der Größe der "Sampo" gehören zur Flotte der Kieler Traditionssegler. Auch kleine Schmuckstücke sind darunter, zum Beispiel die "Stine" von Roland Tank. Wie alt genau sein Schiff ist, weiß der 30-jährige nicht, nur dass "es vor ungefähr 80 Jahren in Dänemark gebaut wurde". Das sieben Meter lange Boot ist eine "Kleine Drivkvase", die früher traditionell zum Fischfang eingesetzt wurden. Tank kaufte es während seiner Lehrzeit als Bootsbauer, er brauchte mehr als fünf Jahre, um seine "Stine" zu restaurieren. Heute hat das Schiffchen neue Planken und ein anderes Rigg. Und eigentlich gibt es immer noch jede Menge zu tun. "Alte Schiffe", sagt Tank, "sind eigentlich nie fertig, aber das ist ja gerade der Reiz".
Dass dieser Reiz oftmals mächtig viel Arbeit macht, zeigten beim "Tag der offenen Luke" auch Handwerker im traditionellen Stil: Segelmacherin Gigi Bonk nähte vor den Besuchern mühsam per Hand ein schweres Traditionssegel, und auch Schmied Ralf Stelzer zeigte, wie aufwändig es früher war, Nägel und Beschläge herzustellen. Bei den Besuchern kam das an: "Es wäre schön, wenn eine Stadt wie Kiel dauerhaft maritime Kultur wie hier im Museumshafen präsentiert", meinte auch Ralf Möllmann. Auch der 47-jährige ist Segler, viel Arbeit am Boot bleibt ihm jedoch erspart - seines ist aus Kunststoff. Von Björn Stähler
Aus den Kieler Nachrichten vom 19.04.2004
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